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Gedanken zu meinen Malintensionen

Rita Thiel

Im März 2004
Gedanken zu meinen Malintensionen


Seit ich male, m u ß  ich abstrahieren.
Nur die Form und die Farbe eines Gegenstandes zu erfassen genügten und genügen mir nicht. Meine innere Sichtweise bringe ich ein; diese weicht jedoch von dem Wahrgenommenen ab. Mein augenblicklicher Seelenzustand fließt mit in das Bildgeschehen ein .Dieser ändert sich von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag.
Ein Bild wird begonnen, ein Plan liegt vor; dieser wird vielleicht in den nächsten Stunden wieder verworfen oder umgeändert. Positiv erlebte Momente, aber auch innere Spannungen und Konflikte fließen mit ein. Malen ist für mich die Projektion des Inneren nach außen.

Wie ich an anderer Stelle (Musik und Malerei, eine Wechselbeziehung) bemerkt habe, liegen für mich Musik und Malerei ganz eng beieinander.

Neben Musik ( Titel z. B.: Jazz-Time, " Der Feuervogel" von I. Strawinsky, "Rhapsody in Blue" von G. Gershwin etc.) sind Erlebnisse in der Natur, Begegnungen mit Menschen, beeindruckende Farbspiele Malanlässe. Musik kann man nicht mit Worten ausdrücken, aber die Tonsprache kann man in die Malerei übersetzen.

Nicht die Wiedergabe einer Blume, eines Berges, eines düsteren Himmels sind für mich wichtig, es ist die Kraft, die das Erlebte im Inneren bewirkt und eine Eigendynamik entwickelt; diese drängt zu freien Gestaltung.

Man kann sich nicht willentlich zur Abstraktion entscheiden. Sie ist eine Entwicklung, die sich in mir schon sehr früh vollzog. Schon als 15-jährige malte ich, aus dem Fenster schauend, Dächer als Farbfelder. Mein damaliger Lehrer in Kunst bei den Englischen Fräulein in Landau, hat mich gelehrt, das Wesentliche zu sehen und zu gestalten.( Er sagte in anderen Klassen, ich wäre sein bestes Pferd im Stall, was mich sehr stolz machte und mich ermutigte den begonnen Weg weiter zu gehen).

Die Interaktion von Farbe und Form wurde mein künstlerisches Ziel, dies bedeutet für mich innere Befreiung und die Möglichkeit, mich ganz meinen Empfindungen, Stimmungen, Erlebnissen hinzugeben.

Gemaltes will, wie die Schrift, etwas erzählen. Der Betrachter muss sich einlassen in diese Erzählung, die er durch seine eigene Lesart vor seinen Augen lebendig werden lässt.

Der berühmte Pfälzer Künstler Karl Unverzagt bezeichnete meine Malerei als "Reduzierung bekannter Formen der Natur".

Paul Klee sagt: "Das Unsichtbare wird sichtbar gemacht".

 

 
2009 by rita-thiel.de - Abdruck nur nach schriftlicher Genehmigung
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